Extremlagen, wie Hochwasser, Waldbrände und Stromausfälle machen deutlich, worauf es ankommt: auf Menschen, die im Ernstfall da sind. In Nordrhein-Westfalen ist in den letzten Jahren viel in den Katastrophenschutz investiert worden. Dazu zählen neue Sirenenanlagen, digitale Lagebilder, eine zentrale Landesstelle und ein Konzept zur psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte, das bundesweit Beachtung findet. Das sind keine Kleinigkeiten.
Und trotzdem fehlt noch etwas. Oder besser gesagt: jemand.
Engagiert, aber zu selten an der Spitze
In der Feuerwehr, beim THW, im DRK, bei der DLRG, beim ASB und bei den Maltesern, sind Frauen ein unverzichtbarer Teil des Katastrophenschutzes. Sie leisten denselben Einsatz, tragen dieselbe Verantwortung und bringen Perspektiven mit, die den Organisationen guttun. Aber je höher man schaut, desto dünner wird die Luft. Frauen in Führungspositionen sind im Katastrophenschutz noch immer die Ausnahme und das hat Gründe, über die es sich lohnt, offen zu reden.
Einer davon ist so alltäglich, dass er oft übersehen wird: Was passiert mit den Kindern, wenn der Melder klingelt? Care-Arbeit ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ungleich verteilt und das wirkt sich direkt darauf aus, wer sich wie stark ehrenamtlich engagieren kann. Das ist kein privates Problem einzelner Frauen, sondern eine strukturelle Frage, die strukturelle Antworten braucht.
Beim Werkstattgespräch der CDU-Fraktion NRW wurde genau das diskutiert. Frauen aus dem Innenministerium, dem Deutschen Feuerwehrverband sowie von Maltesern, DLRG, ASB, DRK und THW haben ehrlich, direkt und mit dem Blick von innen aus ihrer täglichen Praxis berichtet. Es war ein guter Austausch über das, was läuft, was nicht läuft und was sich ändern müsste.
Was sich ändern kann und sollte
Ein landesweiter Girls' Day in allen Einheiten des Katastrophenschutzes war einer der Vorschläge, die diskutiert wurden und der Charme daran ist, dass er umsetzbar ist. Auch die Ehrenamtskampagne #BereitWieNie zeigt, dass das Thema politisch ernstgenommen wird und aktiv an der Gewinnung von Frauen gearbeitet wird.
Klar ist aber auch: Kampagnen allein reichen nicht. Es braucht Organisationen, die ihre Strukturen hinterfragen, und eine Politik, die dabei unterstützt. Das eine ohne das andere funktioniert nicht. Das Werkstattgespräch hat gezeigt, dass der Wille auf beiden Seiten da ist. Und das stimmt zuversichtlich.

