Unterstützung für LSBTTI*-Geflüchtete in Serbien

Erfolgreiche Umsetzung eines gemeinsamen Projektes des ASB NRW und des serbischen Samariterbundes IDC.

Der serbische Samariterbund (Initiative for Development and Cooperation – IDC) unterstützt Geflüchtete, die in Serbien gestrandet sind oder dort bleiben wollen. Auch die Samariter*innen auf dem Balkan haben dabei die Erfahrung gemacht, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und intergeschlechtliche Menschen, kurz LSBTTI*, zu den besonders schützenswerten Betroffenen gehören. Gemeinsam haben IDC und ASB NRW daher ein Projekt entwickelt, um diesen besonderen Unterstützungsbedarf nachhaltig erfüllen zu können.

IDC hat mehrere einheimische LSBTTI*-Unterstützergruppen und Selbsthilfegruppen miteinander vernetzt und ihre Mitarbeiter*innen im Umgang mit vulnerablen Zielgruppen geschult. In einem ganztägigen Workshop wurden 30 Helfer*innen über die Risiken informiert, denen die Geflüchteten in ihren Heimatländern – insbesondere im Iran und Irak, in Syrien, Pakistan und Afghanistan, - ausgesetzt waren. Zudem erfuhren sie mehr darüber, welche besonderen Risiken LSBTTI* auf der Flucht ausgesetzt waren und wie sie diese unterstützen und ihnen bei der Integration in Serbien helfen können.

In einer Workshopreihe, die sich direkt an geflüchtete LSBTTI* richtete, konnten diese mehr über die rechtliche Situation von LSBTTI* in Serbien erfahren. Es gab Beratung zu konkreten Fragestellungen und die Möglichkeit, mit serbischen Unterstützer-Organisationen in Kontakt zu kommen. Zu den Höhepunkten gehörte ein Filmabend, an dem einer der geflüchteten Iraner einen Film über seine Erlebnisse in seiner Heimat und auf der Flucht zeigte. Auch der gemeinsame Besuch des serbischen Nationalmuseums in Belgrad, bei dem die Betroffenen mehr über Geschichte und Kultur ihres neuen Heimatlandes erfuhren, beeindruckte die Teilnehmer*innen. 

Für viele eine Premiere war die Teilnahme an einer Pride-Demonstration. Nach einem weiteren Infoworkshop zogen Geflüchtete und Samariter*innen gemeinsam mit dem Zug der Belgrad-Pride durch die serbische Hauptstadt – ein ganz besonderes Erlebnis.

„Wir können sehen, dass die Teilnehmer*innen unserer Workshops wirklich eine Verbesserung ihrer Lebenssituation erreichen konnten“, berichtet Miodrag Nedeljkovic, Leiter von IDC. "Wir freuen uns sehr, dass wir beobachten konnten, dass unsere Teilnehmer*innen ihre „Komfortzone“ verlassen haben. Sie verstehen nun und setzen sich aktiv dafür ein, dass ihre Flucht und ihre Integration nicht nur von den hiesigen LSBTTI*, sondern auch von der Bevölkerung als solche verstanden und akzeptiert werden sollte. Wir beobachten, dass sie an sozialen Aktivitäten teilnehmen und nach und nach weniger von der Unterstützung von Hilfsorganisationen abhängig sind.“

Doch auch die Helfer*innen in den Flüchtlingslagern und Sammelunterkünften sowie die ehrenamtlichen Engagierten der serbischen LSBTTI*-Selbsthilfegruppen haben spürbar von den Aktivitäten profitiert. „Das Interesse an Austausch und noch stärkerer Zusammenarbeit ist gewachsen“, berichtet Miodrag Nedeljkovic. Der Informationszuwachs führt dazu, dass sich die Unterstützung für LSBTTI* in den Unterkünften verbessert und Betroffene und Helfer schneller zueinander finden.“